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Liste von Waldorfschulen in Deutschland

Prinzip der Waldorfschule

Die Lehrfreiheit wird als Bedingung und Voraussetzung für eine glaubwürdige Erfüllung des Auftrags Erziehung zur Freiheit verstanden. Ziel der Lehrfreiheit ist es einerseits unabhängig von staatlichen Eingriffen zu sein und andererseits sollen Lehrer selbständig an der Weiterbildung der Methoden, didaktischen Grundsätzen und Plänen arbeiten können.
In Form eines Rahmenlehrplans und in der vielseitigen Praxis des Unterrichtens soll sich die Vielfalt des sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Lebens widerspiegeln.
Es sollen bei der Aufstellung und Umsetzung des Lehrplans vier Prinzipien beherzigt werden:

  • Das Prinzip der Menschen- und Entwicklungsorientierung, das für den Lehrer das Studium der Entwicklungsprozesse der Menschheit und der Beobachtung der Natur jedes Individuums impliziert. Aus diesen Erkenntnissen ergeben sich dann entscheidende Gesichtspunkte für die Auswahl, Anordnung und methodische Behandlung der verschiedenen Inhalte in den einzelnen Lebensaltersstufen.
  • Das Prinzip der Welt-Leben-Kultur-Orientierung, wozu alle geschichtlichen Aspekte, das Verständnis von Raum und Zeit, Natur, Kultur, Technik und soziale Welt gehören.
  • Das Prinzip der Erkenntnis- und Übungsorientierung, das durch erkennendes schöpferisches und belebenden Umgehen des Lehrers mit der Menschen- und Welterkenntnis gefördert wird.
  • Das Prinzip der Kind- und Situationsorientierung impliziert, dass der Lehrer in der jeweiligen Unterrichtssituation den individuellen und klassenspezifischen Entwicklungsstand spürt, auf ihn eingeht und in künstlerischer Weise wahrnehmend gestaltet.

Ein großer Vorteil der Waldorfschule ist ihre Selbstverwaltung. Sie besitzt im internen Betrieb im Lehrerkollegium eine autonome Körperschaft, die alle pädagogischen Fragen entscheidet und die darüber hinaus Aufgaben der Selbstverwaltung wahrnimmt. So ist die Schule dem Staat zwar gegenüber zu manchen Kompromissen verpflichtet, beispielsweise hinsichtlich der Schulabschlüsse, gewinnt aber ihren Freiraum, indem sie die staatlich verordneten Lehrpläne, die staatlichen Versetzungsordnungen und Leistungsmaßstäbe ebenso wenig übernimmt wie die staatlichen Formen der Schulverwaltung.
Die Anzahl der Waldorfschulen hat sich von 1919 an bis 1991 versechsfacht auf 120 Schulen mit 50000 Schülern. Dies liegt wohl einerseits an der Misere der staatlichen Regelschulen und ihrer teilweise missglückten oder nur halbherzig vorgenommenen Reform und andererseits an dem Nachholbedarf an reformpädagogischen Schulen in der ehemaligen DDR.
Ein weiterer Grund liegt aber auch sicherlich in ihrer Besonderheit, die eine gewisse Attraktivität für viele Eltern darstellt. Auf diese Besonderheiten möchte ich abschließend noch einmal eingehen:

  • das äußere, architektonische Erscheinungsbild hebt sich durch Rundbauten, Holzwände und Farben von anderen Schulen ab
  • jede Waldorfschule ist eine Art Gesamtschule, die auf äußere Differenzierung verzichtet, aber viel Wert auf das Klassenlehrerprinzip legt
  • die Waldorfschule ist zwar staatlich anerkannt, aber selbst verwaltend und kollegial geführt
  • der Fremdsprachenunterricht findet schon in den ersten beiden Grundschulklassen statt und betont besonders die mündliche Ausdrucksweise
  • in den ersten beiden Stunden erteilt der Klassenlehrer den Hauptunterricht, epochal im 4-Wochen-Rhythmus, was Konzentration auf bestimmte Themen ebenso erlaubt wie regelmäßig stattfindende Übungen
  • alle Waldorfschulen sind um eine ganzheitliche Bildung bemüht und realisieren dies durch Einbezug des Eurhythmie-, Kunst-, Handarbeits-,Handwerks- und Technologieunterrichtes; einige Schulen integrieren ferner berufliche und allgemeine Bildung, bieten über eine Lehre und das Abitur die Doppelqualifikation an
  • in den Waldorfschulen gibt es kein Sitzenbleiben und keine Ziffernbenotung; es gibt Lernberichte und nur in dem zum Abitur hinführenden 13. Jahrgang und im Abitur selbst der Vergleichbarkeit wegen traditionelle Zensuren
  • in wöchentlichen pädagogischen Konferenzen findet die Selbstfortbildung der Waldorflehrer statt.
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